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Seit 720 Jahren ist das widerspenstige Bergvölkchen im Zentrum Westeuropas nun gemeinsam unterwegs. Die Schweiz hat in diesen Jahrhunderten viele Erfolge aber auch Krisen erlebt. Generell kann man sagen, dass das „Unternehmen“ Schweiz eine ausserordentliche Erfolgsgeschichte ist. Dazueinige ausgewählte Fakten:  

um 1230: Bau des „Stiebenden Steges“ in der Schöllenen-Schlucht. Die Erschliessung des Gotthard-Passes begründet die grosse Bedeutung der Schweiz als Transitland.

1271: mit Rudolf I. wird ein erster Habsburger deutscher König. Das Adelsgeschlecht, dessen Stammsitz in der Nähe Badens (Aargau) liegt, wird die europäische Geschichte bis 1918 massgeblich prägen.

1291
: die vier Urkantone (Uri, Schwyz, Nied- und Obwalden) legen mit dem Bundesbrief den Grundstein zur Willensnation Schweiz.

1315-1415
: Abwehr- und Eroberungskriege der Eidgenossen gegen die übermächtigen Habsburger (Morgarten, Sempach). 1415 geht der Aargau mit dem Stammsitz der Habsburger an die Eidgenossen. 

1476: Sieg der Eidgenossen in den Burgunderkriegen über Herzog Karl den Kühnen. Dies begründet den Ruf der Eidgenossenschaft als militärische „Grossmacht“ in Europa und das schweizerische Söldnerwesen.

1481: Stanser Verkommnis. Der Einsiedler Niklaus von Flüe bewahrt durch seinen Ratschlag vor Bürgerkrieg und Zerstörung des Bundes (Spannungen zwischen den aristokratischen Stadt- und den bäuerlichen Landkantonen).

1499
faktische Unabhängigkeit vom Deutschen Reich nach dem Sieg der Eidgenossen über den deutschen, habsburgischen König Maximilian I. im Schwabenkrieg.

1515: die Niederlage der Innerschweizer Kantone bei Marignano beendet die militärische Expansion der Eidgenossenschaft.

1531
, 9.-24. Oktober: 2. Kappelerkrieg. Erster europäischer Religionskrieg zwischen katholischen und reformierten Bevölkerungsgruppen. (Der 1. Kappeler-Krieg war 1529 durch ein versöhnliches Essen von Milchsuppe beendet worden.) Nach dem zweiwöchigen Krieg mit wenigen hundert Toten entschieden sich die Schweizer, jedem Kanton die Wahlfreiheit des Christlichen Bekenntnisses zu überlassen. Die europäischen Nachbarn kamen zum selben Schluss, nachdem sie 1618-1648 im Dreissigjährigen Krieg ihre Länder in Schutt und Asche legten. Ca. 1/3 der europäischen Bevölkerung verlor in diesen 30 Jahren ihr Leben.

1536
: durch die Tätigkeit des Reformators Jean Calvins (1509-1564) gewinnt Genf internationale Ausstrahlung.

Um 1550: Die in Frankreich verfolgten Hugenotten bringen das Uhrmachergewerbe nach Genf und in den Jura.

1572/1685
: Aufnahme hugenottischer Flüchtlinge aus Frankreich begründet die Schweizerische Tradition als Asylland. Zudem bescheren die zugewanderten Hugenotten (vermutlich frz. für aignos = Eidgenossen) der Schweiz markanten wirtschaftlichen Aufschwung (Uhren- und Textilindustrie).

1647: Inmitten des sich im 30-jährigen Krieg ausblutenden Europas beschliesst die Eidgenossenschaft im Defensionale von Wil ihre „immerwährende, bewaffnete Neutralität“. Diese wird von den europäischen Mächten Im Westfälischen Frieden 1648 bestätigt und die Eidgenossenschaft vollzieht die völkerrechtliche Loslösung aus dem Deutschen Reich.

1785:
im Laufe des Jahres produziert das Schweizer Uhrengewerbe in Genf, Neuenburg und Jura bereits 135'000 Uhren, Musikdosen und hoch spezialisierte Spielzeugautomaten.

1790: Einsetzen der Industrialisierung mit der Gründung der Rieter Maschinenfabrik.

1798: Frankreichs Revolutions-Truppen besetzen Genf, Neuenburg, Biel und den Jura. Flugs proklamieren 121 Kantons-Abgeordnete am 12. April in Aarau die ‚Helvetische Republik’. Der Föderalismus wird aufgegeben. Das Schweizer Kreuz wird durch eine Tricolore ersetzt. Die Verfassung bringt der Schweiz einen zentralistisch geführten Staat, ein einheitliches Strafgesetzbuch, die Abschaffung von Folter und Leibeigenschaft, die Förderung der Bildung, die Einführung einer gemeinsamen Währung (Schweizer Franken) u.a.m.. Die Urschweizer Kantone wehren sich gegen die Republik. Am vehementesten die Nidwaldner. Sie bezahlen einen hohen Preis: französische Truppen brennen Stans nieder und töten 368 Nidwaldner, darunter 102 Frauen und 25 Kinder.

1800
: Johann Heinrich Pestalozzi wird zum Wegbereiter der Volksschule (Förderung von Kopf, Herz und Hand) und der Lehrerausbildung.

1802:
das aufgezwungene System der helvetischen Republik versinkt im Chaos. Am 1. August 1802 versammeln sich die Schwyzer, die Nidwaldner und Obwaldner ermeut zur Landsgemeinde. Auch Appenzell, Glarus und Graubünden stellen ihre alten kantonalen Institutionen wieder her. Sogar die Stadt Zürich opponiert gegen die Helvetische Regierung. Mit Stecken und Werkzeugen führen behelfsmässig bewaffnete Bauern aus diesen Kantonen einen ‚Stecklikrieg’ gegen die helvetischen Truppen. Napoléon muss einsehen, dass seine zentralistische Ordnung in der Schweiz nicht funktioniert. Er verfügt ein sofortiges Ende der Kampfhandlungen und gibt der Schweiz erneut eine föderalistische Verfassung (‚Mediationsakte’).

1805: der Simplon wird als erste europäische Hochalpenstrasse für den Wagenverkehr eröffnet. Gründung der Escher Wyss Spinnmaschinenfabrik.

1815: Wiener Kongress. Die europäischen Siegermächte verpflichten die Schweiz auf ihre andauernde Neutralität (Verbot, Bündnisse einzugehen und fremde Truppen durchs Land ziehen zu lassen). Verwicklungen in die napoleonischen Kriege und Ernterückgänge schwächen die Schweizer Textil- und Landwirtschaft und erzeugen 1816/17 grosse Hungersnot und Wellen der Auswanderung.

1819
: François-Louis Cailler begründet die Schweiz Schokoladenindustrie. Suchard folgt 1826.

1834
: Ansturm europäischer Seilschaften auf die Schweizer Berge begründet die Tourismus-Nation Schweiz. Anhaltende Industrialisierung. Gründung der Sulzer Maschinenfabrik.

1830-1848: Liberalisierung der Schweiz (Abschaffung des Patriziats; nach allgemeinem Stimmrecht gewählte Räte; öffentliche Rats- und Gerichtsverhandlungen; Förderung der Bildung; Handels- und Gewerbefreiheit; Pressefreiheit als politischer Handlungsspielraum, Förderung des Bundesgedankens).

1841-47: liberale Kräfte wehren sich gegen den gesellschaftlichen Einfluss der katholischen Kirche. Klosteraufhebungen 1841 im Aargau; Freischarenzüge radikal-liberaler Truppen gegen Luzern, dessen Grosser Rat die verbotenen Jesuiten zurück berufen hatte. Die katholischen Kantone versuchen, in einem Sonderbund ihre Rechte zu wahren. Die liberalen Gegner siegen im Sonderbundskrieg (3.-29. November 1847; 86 Tote) und erwirken eine anhaltende Schwächung der katholischen Kirche in der Schweiz. Der kirchliche Einfluss auf die Gesellschaft wird im Kulturkampf (1873-1878) weiterhin beschnitten.

1840-60:
In Folge der Industrialisierung entwickelt sich zeitweilig eine drückende Massenarmut, die die Regierungen zur allmählichen Einführung einer Sozialgesetzgebung zwingt.

1848
: Bundesverfassung bringt Rechtsgleichheit, Niederlassungs-, Religions-, Presse- und Vereinsfreiheit. Das direktdemokratische Initiativrecht ermöglicht die Änderung der Verfassung. Stärkung des Bundes auf Kosten der Kantone (Regelung des Zoll-. Post- und Münzwesens).

1851
: Begründung weiterer Wirtschaftszweige, die international bekannte Marken hervorbringen: Bally 1851, Schweizerische Kreditanstalt 1856, Néstle 1866, Sandoz 1886, Hoffmann La Roche 1896.

1855
: Gründung des Eidgenössischen Polytechnikums in Zürich (ETH).

1865
: Gründung des Rotes Kreuz durch Henry Dunant in Genf.

1871: Vitznau-Rigi-Bahn, erste Zahnradbahn der Welt, 1912 Jungfraubahn mit höchstem Bahnhof der Welt auf 3457 m.ü.M.

1874: Totalrevidierte Bundesverfassung bringt weiteren Ausbau der Demokratie (Referendum auf Bundesebene).

1877
: eidgenössisches Fabrikgesetz (Verbot der Kinderarbeit, Regelung von Höchstarbeitszeiten, Unfall- und Krankheitsvermeidung).

1882: Eröffnung des Gotthard-Bahntunnels, Simplon-Tunnel 1906, Lötschberg 1913.1891: Einführung des Initiativrechts zur Änderung der Bundesverfassung.

1914-18: Bewahrung vor Kriegshandlungen im 1. Weltkrieg (20 Millionen Tote).

1918
: Dem Aufruf zum Generalstreik (11.-13. November) folgt nicht die erhoffte Anzahl Personen. Der Streik wird von der Armee niedergeschlagen. Der Versuch linksrevolutionärer Kräfte zur Revolution in der Schweiz misslingt.

1920: Gründung des Völkerbundes mit Sitz in Genf.

1939-45: Bewahrung der Schweiz im 2. Weltkrieg (50 Millionen Tote). Die Schweiz auf einem schwierigen Weg zwischen Anpassung und Widerstand. General Henry Guisan übernimmt mit seinem Rütlirapport die Führung der Schweiz in Opposition zu nazifreundlichen Kreisen, die bis in den Bundesrat hinaufreichen. Trotz Aufnahme vieler jüdischer Flüchtlinge macht sich die Schweiz durch Grenzschliessung gegenüber den Juden schuldig.

nach 1945
: wirtschaftliches Erstarken der Schweiz. Mehrere Phasen der Hochkonjunktur bringen grossen volkswirtschaftlichen Gewinn. Lasche Kontrolle der Banken durch die Regierung ermöglicht die Annexion jüdischer Guthaben sowie den Zustrom schmutziger Gelder aus dem Ausland. Schädigung des Rufes der Schweiz als unmoralischer Bankenplatz (Auswirkungen bis in die Gegenwart trotz Abgeltungen, Bussgeldern und Anpassung der Gesetze).

1968
: die Schweiz gerät in den Sog der internationalen 68er Bewegung. In populärer Verkleidung (Sex, Drugs and Rock’n’Roll) führen neomarxistische 68er in den Kampf gegen jegliche Autorität in Familie, Bildung, Wirtschaft und Kirche. ‚Antiautorität’ ist das Schlagwort der Zeit. Bürgerliche Werte wie Gehorsam, Leistung, Verzicht, Respekt und Treue sollen durch konsumfixierte Selbstbestimmung ersetzt werden.

1970 – 2009
: Die Schweizer Wirtschaft verweigert sich dem Laissez-faire Stil der 68er erfolgreich. Sie produziert und beliefert weiterhin die konsumierenden Massen im In- und Ausland. Landwirtschaft, Nahrungsmittelindustrie, Tourismus, Chemie, Banken, Versicherungen, Uhren- und Maschinenindustrie bleiben hochproduktiv und rentabel. Dennoch zeigen sich Zerfallserscheinungen: traditionsreiche Schweizermarken wechseln in die Hände anonymer, profitfixierter Aktionäre (Toblerone, Bally, Bührle, Sulzer). Die Globalisierung bringt neue Chancen und Risiken. Einzelne Unternehmensführungen (Swissair, UBS, CS) verlieren die Bodenhaftung und fügen ihren Unternehmen, den Aktionären und den Steuerzahlern grossen Schaden zu.

Gegenwart
: Noch immer scheint die Schweiz eine Erfolgsgeschichte zu sein. Keine andere Nation hat ein vergleichbares System der direkten Demokratie. Wir sind noch immer eine der reichsten und fortschrittlichsten Gesellschaften der Welt. Menschen unterschiedlichster Herkunft, Religion und Sprachen leben mehr oder weniger friedlich zusammen. Doch hat die moralische Wende der 68er eine Schweizer Gesellschaft geschaffen, die deutliche Zeichen des Verfalls ausfweist. 

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